Meine persönliche Glaubensreise
1965
Ich bin in einem fundamentalistischen Milieu im Glauben erzogen worden. Durch die biblischen Geschichten, die meine Eltern mir und meinen Geschwistern erzählten, wuchs in mir ein fester Glaube, der mich noch heute trägt. Der Glaube daran, dass uns durch die Bibel der Weg zum Glauben und zum Leben gewiesen ist und dass Gott nirgends kräftig redet als in der Heiligen Schrift (wie Martin Luther sagte) ist mir bis heute Fundament. Gleichzeitig enthielt der mir vermittelte Glaube Weltfremdes und Beengendes. Als junger Christ begann für mich eine Reise aus der fundamentalistischen Enge, ohne mein Glaubensfundament zu verlieren.
1988-1991
Mein theologische Erstausbildung am Seminar für biblische Theologie in Beatenberg (Schweiz) schloss ich mit einem Bachelor of Arts äquivalent ab. In dieser Zeit bewarb ich mich, einem Ruf Gottes folgend, zusammen mit meiner Frau bei der Überseeischen Missionsgemeinschaft für einen interkulturellen Dienst in Thailand. Aus gesundheitlichen Gründen verwirklichten sich unsere Pläne nicht, aber unser Weg in einen geistlichen Dienst wurde bestätigt.
1992-1994
Nach zwei Gemeindepraktika in der Schweiz siedelten wir nach Deutschland um, wo ich an der Akademie für Weltmission in Korntal einen Master of Arts in English Bible erwarb. Die Ausbildung führte uns während diesen Jahren nach England für ein gründliches Sprachstudium und in die Vereinigten Staaten an das Columbia International Seminary in South Carolina, um die nötigen Credits für den Abschluss zu erlangen. Meine Masterarbeit mit dem Titel "Millennium and Hermeneutics in the New Testament" ermöglichte es mir, mich gründlich mit meiner Vergangenheit auseinander zu setzen und mich theologisch aus der fundamentalistischen Enge in die evangelische Weite zu bewegen. In Korntal, insbesondere unter Anleitung meines Professors und Mentors Helmuth Egelkraut, wurde ich in das wissenschaftliche Arbeiten mit der Bibel eingewiesen und lernte akademisches Schaffen mit einem Grundvertrauen in die Bibel zu verbinden.
1995-2010
Nach Abschluss des Master Studiums erfolgte meine Berufung als Pastor in die Freie Evangelische Gemeinde Kloten (Schweiz). Die Gemeinde, die von jungen Christen in meinem Alter gegründet worden war und geleitet wurde, und wie ich fundamentalistisch geprägt war, sehnte sich nach Öffnung. Zunächst zögerlich, dann mit wachsender Überzeugung entwickelten wir unter meiner Leitung neue Formen des Gemeindelebens, stiessen einen Prozess an, um das Potenzial von Frauen zum Blühen zu bringen und liessen uns von charismatischen Aspekten christlicher Spiritualität bereichern. Der lange und erfolgreiche Transformationsprozess bezüglich des Dienstes von Frauen legte die Grundlage für mein Buch "Himmelstöchter!"
Während meiner pastoralen Tätigkeit entdeckte ich das Thema der sozialen Gerechtigkeit bei den sogenannten "radikalen Evangelikalen", die in den 1970er und 80er Jahren die weltweite evangelikale Bewegung zur Integration der sozialen Verantwortung in den Sendungsauftrag der Kirche anstifteten. Ich begann ausgedehnte Recherchen zum Thema, die mir halfen, fundamentalistische Gedankenmuster und eine latente Weltverneinung in meiner Theologie endgültig zu überwinden. Von 2002-2006 widmete ich mich neben meiner pastoralen Arbeit der wissenschaftlichen Erforschung des radikalen Evangelikalismus unter Anleitung von Professor Johannes Reimer im Rahmen des GBFE Netzwerks (Gesellschaft für Bildung und Forschung in Europa). 2006 wurde mir für meine Arbeit der Grad eines Master of Theology von der Universität von Südafrika zuerkannt. Die Fortsetzung meiner Studien mündete in eine Dissertation mit dem Titel "Das ganze Evangelium für eine heilsbedürftige Welt. Zur Missionstheologie der radikalen Evangelikalen", für die mir 2008 von der Universität von Südafrika der Titel eines Doctor of Theology verliehen wurde. Während des Studiums begann ich Themen der sozialen Gerechtigkeit und der Sorge um die Schöpfung in mein Predigtrepertoire zu integrieren - zu einer Zeit als Greta Thunberg noch im Kindergarten war.
2010-2024
Ein Jahr nach Antritt meines Pastorenamtes begann ich als Gastdozent an evangelikalen Ausbildungsstätten in der Schweiz Theologie zu unterrichten, zunächst über das Buch der Könige, die Apostelgeschichte, Teile des Römerbriefes und die Eschatologie. Die intensive Tätigkeit als Pastor, Dozent und Student im Doktoralprogramm mündete 2010 in einen physischen und psychischen Zusammenbruch und einem Burnout. Die Überanstrengung meiner Kräfte, ein altes Leiden sowie Vorerkrankungen führten dazu, dass meine Beschwerden chronisch wurden. Nach drei Klinikaufenthalten war klar, dass die Weiterführung meiner Tätigkeit als Pastor nicht mehr möglich war.
Seit meinem Ausscheiden aus dem Pastorenamt lebe ich mit gesundheitlichen Schwierigkeiten und eingeschränkter Arbeitsfähigkeit. Nachdem ich zunächst zwei Jahre völlig arbeitsunfähig war, unternahm ich kleine Schritte zu einem gesunden Leben. Wir nahmen einen grossen Rollentausch vor: Meine Frau wurde zu unserer Brötchenverdienerin, ich wurde Hausmann und begann schrittweise meine Tätigkeit als Dozent, Referent und Autor aufzunehmen und weiter zu entwickeln. Durch den veränderten Lebensentwurf wurde Raum frei, um mich vermehrt der Schriftstellerei zu widmen und das Thema der missionalen Theologie zu bearbeiten. Mit dem Institut für gemeindeorientierte Weiterbildung konnte ich in den folgenden Jahren fünf Werke im Bereich Sachbuch Theologie veröffentlichen und damit zur Bildung einer missionalen Theologie evangelikalen Zuschnitts im deutschsprachigen Raum beitragen.
Insofern es meine gesundheitliche Situation erlaubte, begann ich öfter Anfragen als Prediger in Gemeinden, Konferenzredner oder Gastvorlesungen an Ausbildungsstätten anzunehmen. Trotz eingeschränkter Arbeitsfähigkeit erlebe ich meine Reise mit Gott und meine Berufung als Dozent, Referent und Autor als erfüllend. Heute bin ich fundiert unfundamentalistisch als missionaler Theologie mit starken evangelikalen Wurzeln unterwegs.